Corinna - Kinderaugen brauchen Futter

 

Ja, ich bin gehörlos, seit meiner Geburt.

Für meine Eltern war das keine freudige Nachricht. Es wurde ihnen als ich 2 Jahre war vom Arzt gesagt. Auch meine Eltern hörten auf Ärzte und Lehrer, dass sie mit mir nicht gebärden sollten und lieber mit mir sprechen sollten. Dagegen hatte ich wohl etwas, denn ich sprach nicht. Ich bekam Hörgeräte und ein bisschen hörte ich auch, wenn um mich herum was gesagt wurde, aber ich verstand das nicht. Mir war es lange Zeit nicht klar, was die von mir wollten. Das änderte sich als meine Eltern zufällig gehörlose Menschen trafen und sie sie auf mich ansprachen. Ich muss wohl ziemlich groß geschaut haben, als die gebärdet haben. Meine Eltern erzählten mir dann später, dass sie dann anfingen zu überlegen, ob es für sie eine Möglichkeit wäre und nahmen an einem Gebärdenkurs teil. Die Tiere, die sie mir zuhause mit Bildern zeigten, bekamen dann also eine Gebärde. Ich muss sehr froh geschaut haben und innerhalb kürzester Zeit waren meine Eltern von Gebärden überzeugt.

Ja, das waren meine ersten Kontakte zur Gebärdensprache, da war ich ungefähr 4 Jahre. Dann kam ich auch in einen Gehörlosen-Kindergarten, aber die Kinder konnten nicht viel gebärden und die Kindergärtnerin auch nicht. Frust machte sich breit und ich war hin und her gerissen zwischen, ich mag die Kinder, aber ich kann nicht mit ihnen gebärden.

Ich versuchte mich, wie meine Eltern erzählten, mit allen möglichen „Kunststücken“ um mich mit ihnen zu verständigen….

Die Gehörlosen-Schule durchlief ich, wie die meisten Kinder, mit ziemlichem Frust. Sprechen, sprechen, sprechen wenig LBG. Darüber spreche ich nicht gern. Ich hatte früh angefangen zu lesen, und so konnte ich gut in der Schule mitkommen. Es half mir, und meine Eltern unterstützen mich.

Immer öfter kamen Nachrichten vom CI! Nein, das wollte ich nicht, als mich meine Eltern fragten. Warum auch, ich fand mich okay wie ich bin. So will ich bleiben. Klar fehlen mir mehr UT im Fernsehen, dafür sollte mehr gekämpft werden, auch Dolmetscherinnen sollten eingeblendet werden. Eltern von gehörlosen Kindern könnten sich vielleicht an unserem Kampf für bessere Chancen in der "hörenden Welt" beteiligen.

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie nicht lange auf die Ärzte gehört haben und mit mir ihren eigenen Weg gegangen sind. Natürlich ist es nicht immer einfach. Klar gibt es Hindernisse, aber dadurch bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin. Ich schaffe es mit Hörenden und mit Gehörlosen gut auszukommen. Ich möchte den Eltern auf diesem Weg, mit meinem kurzen Bericht sagen: Geht doch bitte nach den Bedürfnissen des Kindes. Schaut in die Augen eurer Kinder, die brauchen „Futter“.

Corinna





zurück zur Übersicht