Junge Realistin - Wir lassen uns nicht zu Boden drücken

 

Der Rausch des Windes. Das Lachen der Menschen. Die Musik im Kabarett. Ist dies ein Glück? Ist dies das Wichtigste im Leben? Mir fehlt nur das Hören. Benachteiligt bin ich trotzdem nicht. Die Phantasie tut ihre Arbeit. Andere Wahrnehmungssinne auch. Ich kann den mich streichelnden Wind fühlen. Ich sehe das Lächeln der Menschen. Ich spüre die Atmosphäre im Kabarett. Ja, ich wage es euch zu sagen, ich erlebe all dies viel intensiver als ihr. Wenn man Geschenke vom Leben bekommt, nimmt man sie kaum wahr. Der Hörverlust lehrte mich von jedem Ding alles zu nehmen, was ich nur kann.

Es ist echt traurig zu sehen, wie viel Schreck die Hörgeschädigte der Umwelt einjagen. Es ist echt bedauerlich, dass nach technischen Hilfsmitteln gegriffen wird, obwohl dies echt riskant ist. Es macht mich wütend, dass der Mensch mit Hörverlust für die Gesellschaft als verlorener Mensch gilt.

Ja, wir sind in der Lage zu denken. Die selbe Dinge zu erleben wie ihr. Über gleiche Dinge nachzudenken wie ihr. Auch lachen können wir genauso wie ihr.

Was erreicht ihr damit, wenn ihr versucht den Menschen aus seiner Behinderung loszureißen. Klappen wird es sowieso nicht. Man wird sich nur ergänzbar fühlen. Zu keiner Schur passend. Die Leute mit vollständigem Hörsinn werden den „Ergänzbaren“ mitleidvoll angucken. In die Welt der Hörgeschädigten wird dieser Mensch wahrscheinlich nie kommen wollen, da es sein aufgezwungenes Ziel ist, hören zu lernen und sich der Gesellschaft anzupassen. Und schon ist der Mensch psychisch zerstört. Und schon ist er an der Grenze der Verzweiflung.

Ja, okay. Ich vermute was ihr jetzt denkt: Besitzt den Behinderten Ausweis, wenig Chance im Beruf, wenig Zugang zu Quellen. Aber verdammt, (sorry) wer hat denn uns all diese Barrikaden aufgestellt. Wer sieht uns als Randgruppe der Gesellschaft? Ja, ja, ihr sagt es nicht, ihr denkt es so.

Wir haben unsere Freude am Leben und lassen uns nicht zu Boden drücken. Wir haben eine eigene Kultur. Ja, ja, wir sind dazu fähig Kunst zu produzieren. Wir können Romane schreiben. Wir können unsere Emotionen in Gedichte umwandeln. Wir können alles, nur versperrt nicht den Weg, indem ihr erwartet, wir sollen hören lernen und dadurch euch - den „perfekten Menschen“ gleichen.

Wir haben unsere Geschichte. Ja, für uns ist dieser Tag legendär an dem die Händesprache entstand.

Wie normal für hörende Leute, als der Tag der Kommunikationsermöglichung zum großen Tag wurde. Wir haben unsere Partys, Theater und andere Vergnügensarten. Wir grenzen uns auch nicht von all der Leuten ab. Wenn es nötig ist, sprechen wir auch. Wenn die Leute nett sind, werden sie zu unseren Freunden. Nur zerstört keinem Menschen das Leben, in dem ihr ihn in einen Tunnel laufen lasst, der zu uns oder zu euch führt. Lasst ihn so und schon wird der sich zurecht finden. Das habe ich geschafft, das haben viele geschafft. Und ich lasse mich von Wind verwöhnen. Es gelingt mir unter Umständen einfach besser.

Seid neidisch, zumindest in diese Sache.
Alles was existiert wurde gut durchgedacht
Einmischungsversuche werden von Mutter Natur ausgelacht.
Drum helfen die Hilfsmittel kaum weiter,
diese Unterstützung macht das Leben nur „heiter“.

Abhängig von vieler Technik sind wir,
doch jetzt weigern wir uns hier.
Was leistet schon ein Cochlear Implantat?
Für die Seele zu viel Last in der Tat.
Die Gleichmachungsgedanken der Gesellschaft
ist eine Last, keine Hilfsbereitschaft.

Eure Versuche entspringen dem Egoismus,
aber huch wir "Behinderten" haben Optimismus!
Es reicht euch zu wissen, das wir euch gleichen?
Was wollt ihr mit eure Hilfe erreichen??

Allein das Wort Implantat bewirkt negatives.
Unsern Hörverlust ersetzt uns nichts bestimmtes.





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